Appell: Klimaschutz jetzt!

Appell: Klimaschutz jetzt!

Ein Appell der Alpengemeinden und ihrer Bewohner an die Teilnehmer der COP 21

Der Klimawandel ist ein globales Phänomen. Aktives Handeln auf lokaler Ebene ist wesentlich, um diesem erfolgreich zu begegnen. Gemeinden sind das entscheidende Bindeglied zwischen nationalen sowie transnationalen Zielen und lokalen Anstrengungen, diese zu erreichen. Sie sind daher an vorderster Front im Kampf gegen den Klimawandel.  

Aufgrund ihrer natürlichen Bedingungen sind die Alpen besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Schmelzende Gletscher, Wetterextreme und schneearme Winter sind Beispiele für die negativen Folgen. Der Klimawandel schreitet in den Alpen schneller voran als anderswo. Zugleich gehört der Alpenraum zu den entwickelten Regionen Europas und der Welt und trägt auch zum Klimawandel bei. Entscheidungsträger in den Alpen haben nicht nur die Aufgabe, sondern auch das Know-how und die Ressourcen, um gegen den Klimawandel – beispielhaft für andere Gebirgsregionen – vorzugehen.

Die Vertragsparteien der Alpenkonvention haben sich in einer Reihe von Beschlüssen wie dem Klimaaktionsplan verpflichtet, den Ausstoß klimarelevanter Treibhausgase zu reduzieren. Die Alpenstädte und –gemeinden engagieren sich seit Jahren dafür, diese Beschlüsse umzusetzen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Sie sind sich bewusst, dass ein Paradigmenwechsel notwendig ist. Sie sind bereit, Maßnahmen zu ergreifen, um die Ursachen und Folgen des Klimawandels zu bekämpfen. Für ein wirksames Umsetzen brauchen die Gemeinden die Unterstützung der Staaten, der Europäischen Union und der Weltgemeinschaft.

Wir, Gemeinden und Städte der Alpen sowie Nichtregierungsorganisationen, appellieren daher an die Vereinten Nationen und ihre Mitglieder, die an der 21. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention (COP 21) teilnehmen, ein verbindliches Klimaabkommen und anspruchsvolle Klimaziele, die wirksame lokale Maßnahmen in den Gemeinden und Städten möglich machen, zu verabschieden. Wir bitten die Vereinten Nationen und ihre Mitglieder um ein konsequentes und mutiges Engagement und eine klare und konkrete Strategie zur Bekämpfung von Ursachen und Folgen des Klimawandels, die Gemeinden und Städten ermutigt, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Von den Beschlüssen von Paris erwarten wir Kommunen in den Alpen Unterstützung in unserem Engagement für den Klimaschutz und die Begrenzung des Klimawandels, insbesondere in folgenden Feldern:

  • Für die stärkere Förderung kohlenstoffarmer Infrastruktur und Technologie gegenüber herkömmlichen und klimaschädlichen Systemen; z.B. Investitionen in die Eisenbahn haben Vorrang gegenüber dem motorisierten Verkehr.
  • Für die Einführung von strengen gesetzlichen Richtlinien sowie die Entwicklung konkreter und praxisbezogener Servicepakete für Gemeinden und Städte in allen Handlungsfeldern, die zur Bekämpfung der Ursachen und Folgen des Klimawandels beitragen. Für den Alpenraum wichtige Themenfelder sind u.a. klimafreundlicher Nah- und Regionalverkehr unter Berücksichtigung der geographischen Gegebenheiten im Alpenraum, eine klimafreundliche Gestaltung des Tourismus – insbesondere des vom Klimawandel stark beeinträchtigten alpinen Wintertourismus, die Berücksichtigung von Naturgefahren (Hitze, Lawinen, Hochwasser, Muren u. a.) in der Stadt- und Gemeindeentwicklung, klimafreundliche öffentliche Beschaffung, energieeffizientes Bauen und Sanieren, nachhaltige Lebensmittelerzeugung und -konsum sowie Energieproduktion und -verbrauch.
  • Für die Bereitstellung notwendiger finanzieller Mittel und die Entwicklung von Anreizen  für Gemeinden und Städte, die Maßnahmen in den oben genannten Bereichen umsetzen sowie deren öffentlichkeitswirksame Anerkennung.
  • Für die Forcierung eines nachhaltigen Lebensstils auf der Grundlage eines bewussten Konsums von Gütern und Dienstleistungen.
  • Für die Förderung von Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch über regionale und nationale Grenzen hinweg sowie die Unterstützung bestehender Netzwerken von Städten und Gemeinden.
  • Für die Entwicklung partizipativer Ansätze und einer "good climate governance" im Klimaschutz wie etwa einer transparenten Gesetzgebung und Umsetzung unter Einbeziehung aller relevanten Akteure.

Wir, Gemeinden und Städte der Alpen, verpflichten uns, gemeinsam mit unserer eigenen Bevölkerung und Wirtschaft durch einen nachhaltigen Lebensstil zur Verringerung der Treibhausgasemissionen beizutragen. Insbesondere durch:

  • Einen aktiven Beitrag zur Senkung des Energieverbrauchs.
  • Einen verantwortungsvollen Konsum von Gütern und Dienstleistungen und die Unterstützung regionaler Unternehmen und kohlenstoffarmer Produktion.
  • Einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, der ein Umsteigen vom motorisierten Individualverskehr auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrradfahren und zu Fuß gehen erleichtert.
  • Die Sanierung öffentlicher Gebäude nach anspruchsvollen Niedrigenergiestandards – auch als Vorbild für private Investitionen sowie die Verwendung von CO2-armen Materialien wie Holz, Lehm oder Stroh.

Heute haben wir keine andere Wahl, als einen internationalen Konsens in der Frage des Klimawandels zu erreichen. Der Klimagipfel in Paris im Dezember 2015 muss zeigen, dass wir uns voll und ganz bewusst sind, was auf dem Spiel steht. Alpine Gemeinden und Städten schlagen bereits lokale Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels vor. Sie halten es für erforderlich, dass die Weltgemeinschaft möglichst bald einen kohlenstoffarmen Entwicklungspfad einschlägt und konsequent durchsetzt. Sie erwarten dazu von den in Paris anwesenden Regierungsvertretern und den Vereinten Nationen ein klares Bekenntnis. Gemeinsam müssen wir unsere Anstrengungen erhöhen und klare und konsequente Entscheidungen für eine effektive Klimapolitik und eine lebenswerte Zukunft treffen.

Diese Erklärung wurde in Vorbereitung der kommunalen Klimakonferenz ausgearbeitet, die während der deutschen Präsidentschaft der Alpenkonvention in Benediktbeuern/DE im Oktober 2015 stattfindet.