Rückblick auf das GOVQoL-Webinar „Lebensqualität als Kompass für gute Gemeindepolitik“

Wie können Gemeinden die Lebensqualität ihrer Bevölkerung konkret verbessern? Und welche Rolle spielen Kommunen dabei im Alpenraum? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das erste Online-Seminar am 3. Februar 2026 im Rahmen des GOVQoL-Projekts. Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von Gemeinden und Partnerorganisationen aus dem Alpenraum nutzten die Gelegenheit zum Austausch und zur gegenseitigen Inspiration.

Ein zentrales Ergebnis des Webinars: Gemeinden sind die wichtigste Ebene, wenn es um Lebensqualität geht. Hier werden Dienstleistungen organisiert, Treffpunkte geschaffen, Mobilität ermöglicht und soziale Angebote aufgebaut. Gleichzeitig stehen viele Gemeinden – vor allem im Alpenraum –  vor ähnlichen Herausforderungen: knappe finanzielle Mittel, demografischer Wandel, Abwanderung junger Menschen oder leerstehende Ortszentren. Umso wichtiger ist es, gute Lösungen zu teilen und voneinander zu lernen.

Mehrere Praxisbeispiele zeigten, wie Gemeinden trotz begrenzter Ressourcen erfolgreich handeln können. Die österreichische Gemeinde Moosburg stellte vor, wie sie durch intensive Bürgerbeteiligung, kreative Umnutzung bestehender Gebäude und gezielte Belebung des Ortskerns neue Dynamik geschaffen hat. Workshops mit Bürgerinnen und Bürgern halfen, eine gemeinsame Vision für die Gemeinde zu entwickeln. Leerstehende Gebäude wurden zu multifunktionalen Treffpunkten umgebaut, lokale Betriebe eingebunden und kulturelle Aktivitäten gefördert. Entscheidend war dabei die kontinuierliche Begleitung der Projekte, damit Initiativen nicht versanden, sondern langfristig wirken.

Aus Frankreich berichtete die Gemeinde Veynes über ihre Erfahrungen mit Bürgerbeteiligung. Durch Gesprächsangebote auf dem Wochenmarkt, Aktionen auf öffentlichen Plätzen und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Bevölkerung wird Schritt für Schritt mehr gemeinschaftliches Engagement aufgebaut. Kleine, sichtbare Maßnahmen helfen dabei, Vertrauen zu schaffen und neue Nutzungen öffentlicher Räume auszuprobieren.

Ein weiteres Projekt aus Frankreich, Ville à Joie, zeigte, wie wichtige Dienstleistungen auch in sehr kleinen Gemeinden zugänglich bleiben können. Ein mobiles Team organisiert Dorffeste, bei denen gleichzeitig öffentliche Dienstleistungen angeboten werden – etwa Beratung zu Verwaltungsfragen, Gesundheitsangebote oder Unterstützung bei digitalen Anträgen. So verbinden sich Begegnung, Unterhaltung und konkrete Hilfe im Alltag. Gerade in kleinen Orten ohne eigene Infrastruktur ermöglicht dieses Konzept, dass Menschen wieder leichter Zugang zu wichtigen Angeboten finden und gleichzeitig das Gemeinschaftsleben gestärkt wird.

Aus Italien wurde das Projekt „Vieni a vivere e lavorare in montagna“ vorgestellt, das Menschen ermutigt, wieder in Berggemeinden zu leben und zu arbeiten. Interessierte Familien können die Region im Rahmen von Aufenthalten kennenlernen und werden bei der Wohnungssuche und Integration unterstützt. Mehrere Familien haben sich bereits dauerhaft angesiedelt. Gleichzeitig wird gemeinsam mit der Bevölkerung herausgearbeitet, was die Lebensqualität vor Ort ausmacht und wie neue Bewohner gut aufgenommen werden können.

Ein weiteres inspirierendes Beispiel kam aus Südtirol, wo eine ehemalige Kaserne zu einem sogenannten „Dritten Ort“ umgebaut wurde. Heute bietet die BASIS Platz für Coworking, Veranstaltungen, Werkstätten und junge Unternehmen. Solche Orte schaffen Begegnung, fördern Innovation und unterstützen die lokale Wirtschaft.

Ein besonders praxisnahes Beispiel für konkrete Unterstützung im Alltag stellte das slowenische Projekt Prostofer dar. Hier organisieren Gemeinden freiwillige Fahrdienste für ältere Menschen. Wer beispielsweise zum Arzt, zur Post oder zum Einkaufen muss, kann telefonisch eine Fahrt buchen. Ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer übernehmen diese Fahrten mit Gemeindefahrzeugen. Das Projekt hilft älteren Menschen, mobil und selbstständig zu bleiben, und stärkt gleichzeitig das freiwillige Engagement in der Gemeinde. Inzwischen beteiligen sich über hundert Gemeinden in Slowenien an diesem Modell.

Auch soziale Unterstützung war ein wichtiges Thema. Die österreichische Gemeinde Nenzing stellte ihr Konzept des Family Case Managements vor. Ein eigenes Team kümmert sich dort um Familien und Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Angebote reichen von Unterstützung bei schulischen Herausforderungen über Beratung bei finanziellen Problemen bis hin zu Hilfe im Alltag. Gleichzeitig organisiert die Gemeinde zahlreiche Begegnungsangebote für Familien und ältere Menschen, etwa gemeinsame Veranstaltungen, Beratungsangebote oder Treffpunkte für den Austausch. Ziel ist es, frühzeitig Unterstützung anzubieten und Menschen besser zu erreichen, die sich sonst oft nicht an die Gemeinde wenden.

Das Webinar machte deutlich, dass viele Herausforderungen im Alpenraum ähnlich sind – und dass der Austausch zwischen Gemeinden wertvolle Inspiration liefert. Die Veranstaltung bot daher nicht nur Einblicke in erfolgreiche Projekte, sondern auch eine wichtige Plattform zum Vernetzen. Weitere Treffen und Kooperationen zwischen Gemeinden sind bereits geplant.

Gemeinsam wird so weiter daran gearbeitet, die Lebensqualität in den Alpenregionen nachhaltig zu stärken.

Am 3. März findet ein weiteres Webinar im Rahmen des Interreg AlpineSpace Projekts GOVQoL statt – dabei wird der Schwerpunkt auf Zertifizierungen als Instrument für Kommunen zur Verbesserung der Lebensqualität liegen. Hier geht es zur Anmeldung.