Gemeinsam beschaffen – Gemeinden stärken
Viele Gemeinden stehen vor ähnlichen Herausforderungen: knappe personelle Ressourcen, begrenztes Fachwissen bei komplexen Vergabeverfahren, steigende Kosten und der Wunsch, nachhaltiger einzukaufen. Genau hier setzt die neue Strategie „Gemeinsame Beschaffung von Kommunen“ an, die im Rahmen des Erasmus+ geförderten Projekts proCURE erarbeitet wurde.
Der praktische Schritt-für-Schritt-Leitfaden unterstützt Gemeinden dabei, Beschaffung nicht nur effizienter, sondern auch nachhaltiger und strategischer zu gestalten. Gemeinsame Beschaffung bedeutet, dass zwei oder mehr öffentliche Stellen ihren Bedarf bündeln, technische Anforderungen abstimmen und ein gemeinsames oder koordiniertes Vergabeverfahren durchführen. Statt jede Gemeinde für sich dieselben Waren oder Dienstleistungen einkauft, werden Kräfte, Wissen und Nachfrage zusammengeführt.
Der Nutzen für Gemeinden ist vielfältig: Durch größere gemeinsame Beschaffungsvolumina können bessere Preise und Vertragsbedingungen erzielt werden. Gleichzeitig sinkt der Verwaltungsaufwand, weil ein gemeinsames Verfahren mehrere Einzelverfahren ersetzen kann. Besonders kleinere Gemeinden profitieren davon, da sie Zugang zu professionellerem Beschaffungswissen erhalten, ohne eigene neue Strukturen schaffen zu müssen. Auch die Qualität der Ausschreibungen kann steigen, wenn technisches, rechtliches und nachhaltigkeitsbezogenes Wissen gemeinsam genutzt wird.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf nachhaltiger Beschaffung. Durch die Bündelung der Nachfrage senden Gemeinden ein klares Signal an den Markt: Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen werden gebraucht und nachgefragt. Das kann Anbieter motivieren, entsprechende Lösungen anzubieten, und Gemeinden dabei helfen, ökologische und soziale Kriterien wirksamer in ihre Beschaffung zu integrieren. Gemeinsame Beschaffung kann damit zu einem wichtigen Hebel für Klimaschutz, Ressourcenschonung und regionale Wertschöpfung werden.
Die Strategie zeigt praxisnah, wann gemeinsame Beschaffung sinnvoll ist, welche Kooperationsmodelle möglich sind und welche Schritte von der ersten politischen Entscheidung bis zum Vertragsmanagement notwendig sind. Ergänzt wird sie durch Checklisten, Hinweise und praktische Werkzeuge, die Gemeinden bei der Umsetzung unterstützen.
Erarbeitet wurde die Strategie im Projekt proCURE, gefördert durch Erasmus+, in Zusammenarbeit von fünf Partnerorganisationen aus Deutschland, Österreich, Italien und Slowenien: dem Gemeindenetzwerk Allianz in den Alpen e.V. als Projektkoordination, agado Gesellschaft für nachhaltige Entwicklung UG, dem Interdisziplinären Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur Graz, der Fondazione Ecosistemi sowie dem Urbanistični inštitut Republike Slovenije.
Mit der neuen Strategie erhalten Gemeinden ein praxisnahes Instrument, um Beschaffung gemeinsam, effizient und zukunftsorientiert anzugehen – und damit nachhaltige Entwicklung vor Ort konkret umzusetzen.