Natur und Gesellschaft zusammen denken
TeilnehmerInnen der Fachtagung im Belleville-Tal (Vallée de Belleville).

Natur und Gesellschaft zusammen denken

Die Bedürfnisse von Mensch und Natur überschneiden sich. Fachtagung 2015.

Ein gutes Zusammenleben und eine vielfältige und intakte Natur machen die Alpengemeinden lebenswert für ihre BewohnerInnen und locken BesucherInnen an. Doch diese Trümpfe der Alpengemeinden sind schnell verspielt. Überalterung und Abwanderung stören das soziale Gefüge in zentrumsfernen Gemeinden. Zersiedlung oder mangelnde Bewirtschaftung gefährden die vielfältige alpine Natur. Kommunen haben es in der Hand, das gemeinschaftliche Leben und den lokalen Naturraum zusammen mit ihren BewohnerInnen zu gestalten.

 

Fachtagung 2015
In Saint-Martin-de-Belleville funktionieren Ski-Tourismus und nachhaltige Entwicklung.

 

Jean Horgues-Debat, Geschäftsführer des Vereins für regionale Entwicklung und Zusammenarbeit ADRETS, plädierte in seinem Impulsreferat dafür, die gesellschaftliche Entwicklung einer Gemeinde sowie ihre Wirtschaftskraft in Zusammenhang mit dem vorhandenen Naturraum zu betrachten. Vorbilder für diese ganzheitliche Strategie gibt es viele: so zeigt etwa der generationenübergreifende Gemeinschaftsgarten im österreichischen Bezau, dass gemeinsames „in der Natur sein“ die Dorfgemeinschaft stärkt. In der Gastgebergemeinde Saint-Martin-de-Belleville helfen Jugendliche bei der Pflege der Feuchtgebiete und übernehmen so Verantwortung für ihr Lebensumfeld.

Im Rahmen der Fachtagung des Gemeindenetzwerks wurden solche Erfolgsgeschichten weiter erzählt. In Workshops und an thematischen Projekttischen ging es um Werkzeuge, Herausforderungen und Erfolgsrezepte für den Umgang mit den sozialen und natürlichen Ressourcen der Alpengemeinden. Vorgestellt wurde etwa das alpenweite Projekt „Youth shaping Alpine municipalities (YSAM)“ zur Förderung der Jugendpartizipation in der Kommune. In einem Workshop diskutierten interessierte Tagungsteilnehmer über die Wohnsituation der Saisonarbeiter in Tourismusgemeinden. Die italienische Gemeinde Usseaux erzählte vom genossenschaftlich organisierten Anbau, Verarbeitung und Vermarktung von Buchweizen.

Projekttreffen dynAlp-nature

Usseaux gibt diese Erfahrungen auch im Rahmen des Programms dynAlp-nature an andere Mitglieder weiter. Die Gemeinde ist eine von 25 Projektgemeinden und -regionen aus sieben Alpenstaaten, die im Rahmen von dynAlp-nature Maßnahmen zum Schutz der Natur und Biodiversität umsetzen. Das Programm fördert länderübergreifende Kooperationsprojekte, die sich mit den Themen regionale Produkte und Landwirtschaft, Siedlungsgrün, Besucherlenkung und Feuchtgebiete beschäftigen.

Session „Saisonarbeit“

Alpine Tourismusregionen müssen sich verstärkt mit der Thematik Saisonarbeit auseinandersetzen. Gezeigt wurden Möglichkeiten die Saisonarbeiter zu unterstützen – während der Saison, aber auch über das Jahr hinweg. Die Demographische Entwicklung einer Region wird durch Saisonarbeit stark beeinflusst und Herausforderungen wie z.B. bezahlbarer Wohnraum, Mobilität im ländlichen Raum, medizinische Versorgung, etc. drängen Gemeinden in Aktion zu treten und Lösungen zu finden.

Im Rahmen der Session wurden die Ergebnisse des 5. Alpenzustandsberichts durch das Ständige Sekretariat der Alpenkonvention vorgestellt. 

Das Gemeindenetzwerk „Allianz in den Alpen“ trifft sich zur nächsten Fachtagung anlässlich der Alpenwoche von 11.-15.10.2016 im bayerischen Grassau.