Verkehrsplanung nachhaltig und menschengerecht
Günter Emberger © Allianz in den Alpen

Verkehrsplanung nachhaltig und menschengerecht

Prof. Günter Emberger räumte bei der Abschlusskonferenz des Projekts „AlpenZukunft gestalten“ mit verschiedenen „Mythen“ in der Verkehrsplanung auf.

Prof. Emberger, der seit rund 25 Jahren in der Verkehrsplanung tätig ist, erläuterte die Möglichkeiten nachhaltiger und menschengerechter Verkehrsgestaltung in Gemeinden. Er zeigte auf, dass die traditionellen Lösungen, die immer noch oft gewählt werden, langfristig keine Entlastung bringen. Sie tragen nicht zur Attraktivität einer Gemeinde bei und schaffen keine neuen Arbeitsplätze. So haben Umfahrungsstraßen beispielsweise langfristig große Nachteile wie Zersiedelung, Erhöhung der Erhaltungskosten, Erhöhung der Abhängigkeit vom Auto oder auch Abfluss der Kaufkraft durch die Verschiebung von Reisezielen.

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© Allianz in den Alpen

 

Es braucht eine andere Wertigkeit in der Verkehrsplanung als bisher. Die Bedürfnisse der Fußgänger, Radfahrer und Benutzer des Öffentlichen Verkehrs müssen weit vor denjenigen der Benutzer des motorisierten Individualverkehrs gereiht werden. So sollten beispielsweise bei Einkaufszentren Bus und Fahrrad direkt vor den Eingang geführt werden und die Parkplätze für Autos weiter weg liegen. Prof. Emberger berichtete, dass in der Schweiz Shoppingcenter nur noch genehmigt werden, wenn das Verkehrskonzept Maßnahmen (Parkplatzbewirtschaftung, Bushaltestellen etc.) enthält, damit nicht mehr als rund 40% der Kunden mit dem Auto anreisen.

Ein wesentlicher Lösungsansatz für Gemeinden ist, Zeit in der Ortschaft zu binden. Dadurch werden die lokale Wirtschaft und die Umwelt gestärkt. Denn langsamere Verkehrsmittel benötigen weniger Ressourcen, vom Platzbedarf über den Energieverbrauch bis hin zu den Emissionen.

Fußgängern kommt eine wichtige Rolle im Dorfleben zu. Man könnte sagen, dass sie eine Ortschaft „zusammenhalten“. Daher ist ein wesentlicher Punkt in der nachhaltigen Verkehrsgestaltung die Erhöhung der Attraktivität von Fußwegen. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig: Zebrastreifen, Gehsteigbreiten, Bevorrangung an Kreuzungen, Überquerungshilfen durch Mittelinseln, Fußgängerzonen, Shared Space etc.

Die detaillierte Power Point-Präsentation zu Prof. Embergers Vortrag ist hier zu finden.