Webinar proCURE – Gemeinsame Beschaffung am 25. März 2026
Im Rahmen unseres Projekts proCURE fand am 25. März 2026 das letzte Webinar im Projektzeitraum statt.
Im Webinar zur gemeinsamen nachhaltigen Beschaffung, moderiert von Maya Knevels von Allianz in den Alpen, wurden praxisnahe Ansätze und konkrete Beispiele vorgestellt, wie Kommunen durch Zusammenarbeit ihre Beschaffungsprozesse effizienter und nachhaltiger gestalten können.
Im Zentrum stand das Konzept des sogenannten „Joint Procurement“, also der gemeinsamen Beschaffung durch mehrere Kommunen. Ziel dieses Ansatzes ist es, Bedarfe zu bündeln, größere Beschaffungsvolumina zu erreichen und dadurch bessere wirtschaftliche Konditionen zu erzielen. Gleichzeitig eröffnet die Zusammenarbeit neue Möglichkeiten, Nachhaltigkeitskriterien systematisch in Vergabeverfahren zu integrieren. Gerade für kleinere Gemeinden, die häufig mit begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen arbeiten, stellt dies einen wichtigen Hebel dar, um professionelle und zukunftsorientierte Beschaffungsstrukturen aufzubauen.
Ein zentrales Element des Webinars war die Vorstellung eines im Rahmen des europäischen proCURE-Projekts entwickelten Leitfadens. Dieser bietet Kommunen eine praktische Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Umsetzung gemeinsamer Beschaffungsprozesse – von der politischen Entscheidung über die Abstimmung von Bedarfen bis hin zur Ausschreibung, Vergabe und anschließenden Evaluation. Ergänzt wird der Leitfaden durch konkrete Werkzeuge wie Checklisten und Entscheidungshilfen, die den Einstieg erleichtern und Orientierung bieten.
Wie eine solche Zusammenarbeit in der Praxis aussehen kann, zeigte unter anderem das Beispiel der Stadt Karlsruhe. Dort wurde eine zentrale Vergabestelle aufgebaut, die den gesamtstädtischen Einkauf bündelt und strukturiert. In einem interkommunalen Projekt beschafften mehrere Städte gemeinsam zirkuläre Arbeitskleidung. Dabei wurden sowohl soziale als auch ökologische Mindestkriterien verbindlich in die Ausschreibung integriert, etwa durch anerkannte Zertifizierungen und Anforderungen an die Kreislauffähigkeit der Produkte. Die Kooperation führte nicht nur zu Kosteneinsparungen, sondern auch zu einer stärkeren Standardisierung und Professionalisierung der Prozesse.
Ein weiteres Beispiel lieferte der Gemeindeverbund Alta Marmilla in Italien auf der Insel Sardinien, der 19 kleine Kommunen umfasst. Hier wurde unter anderem die Schulverpflegung zentral organisiert und gemeinsam ausgeschrieben. Neben Effizienzgewinnen standen insbesondere Nachhaltigkeitsaspekte im Fokus, etwa durch den Einsatz regionaler und biologischer Produkte sowie Maßnahmen zur Reduzierung von Plastik. Gleichzeitig wurde durch einheitliche Standards ein gleichberechtigter Zugang zu den Leistungen für alle Nutzerinnen und Nutzer sichergestellt. Die Zusammenarbeit führte zu einer deutlichen Stärkung der administrativen Kapazitäten und zu einer gemeinsamen strategischen Ausrichtung der beteiligten Gemeinden.
Die Beispiele verdeutlichen, dass gemeinsame Beschaffung weit mehr ist als ein Instrument zur Kostensenkung. Sie ermöglicht es Kommunen, Nachhaltigkeit verbindlich zu verankern, Wissen zu bündeln, voneinander zu lernen und profitieren und langfristig tragfähige Strukturen aufzubauen. Voraussetzung für den Erfolg sind jedoch klare organisatorische und rechtliche Rahmenbedingungen, eine transparente Rollenverteilung sowie ein hohes Maß an Abstimmung und Vertrauen zwischen den beteiligten Partnern.
Das Webinar machte deutlich: Gemeinsame nachhaltige Beschaffung ist ein wirkungsvolles Instrument, um ökologische und soziale Ziele auf kommunaler Ebene voranzubringen – und gleichzeitig die Effizienz, Qualität und Professionalität der öffentlichen Verwaltung zu stärken.