Wintertourismus im (Klima)wandel
© CIPRA International, alpMonitor, Johannes Gautier

Wintertourismus im (Klima)wandel

Ganzjahrestourismus als logische Konsequenz auf die Auswirkungen des weltweiten Klimawandels

Der weltweite Klimawandel ist in der Tourismusbranche deutlich zu spüren: mildere Winter, weniger Schneetage, steigende Schneefallgrenze. Gemeinden im Alpenraum stehen zusehens vor der Herausforderung für den Wintersport nachhaltige und langfristige Lösungen zu finden und zwar bei veränderten Bedingungen.

"Schneesicher"

Viele Skigebiete werben mit Schneesicherheit. Ein großer Anteil des Schnees, den wir heute haben, ist planbar. In Tirol/AT können bis zu dreiviertel der Pisten beschneit werden. Aber Beschneiung hat ihren Preis. Der Verbrauch von Energie und Wasser steigt mit dem wachsenden Bedarf ständig weiter an. Und was sind die Folgen für den Tourismus, wenn man weiterhin durch Beschneien und viel Aufwand Skigebiete erhält? Ist Skisport dann noch leistbar oder wird er zum Luxus? Sollte Schneesicherheit weiterhin ein Thema sein oder lohnt es sich viel mehr in Alternativen investieren, mit dem Ergebnis weniger abhängig vom Schnee zu sein?

Es braucht Mut neue Wege zu beschreiten und für den Winter Angebote auf zu bauen, die auch mit weniger oder ohne Schnee auskommen. Doch es erfordert zusehens auch immer mehr Mut sich alleine auf den Schnee zu verlassen und auf ihn angewiesen zu sein.

Die kleineren und tiefergelegenen Skigebiete sind zuerst betroffen. Wo vor wenigen Jahrzehnten noch Skilifte waren kann man heute teilweise wieder Wälder finden. Doch auch kleine Skigebiete können sich durch Kooperationen und attraktive schneeunabhängigere Angebote erfolgreich behaupten und ihren Fortbestand sichern.

Stärken nutzen

Die Gemeinde Balderschwang im Oberallgäu/DE ist gemeinsam mit den angrenzenden österreichischen Gemeinden Hittisau, Riefensberg und Sibratsgfäll  schon seit langem in der vorwiegend touristischen Kooperation Kleeblatt zusammengeschlossen. Alle vier Gemeinden setzen auf vielseitigen und abwechslungsreichen Wintertourismus: nachhaltig, beschaulich und leise. Schneekanonen werden nur sehr dosiert und kontrolliert eingesetzt. Sie haben kleinere Skigebiete, die teils nicht sehr hoch liegen und vereinzelt noch in Familienhand sind. Zusätzlich zum alpinen Skilauf konzentrieren sie sich auf Langlauf, Rodeln, Wandern, Kultur und Kulinarik. Für Winterwanderungen werden ausgewählte Wege geräumt, von denen man nicht abweichen sollte um die Natur zu schützen. Bereits bei geringen Schneemengen können Wege gewalzt und genutzt werden.

Ganzjahrestourismus

Eine logische Konsequenz der weniger werdenden Schneetage ist Ganzjahrestourismus. Die Kleeblattgemeinden liegen in einem Wandergebiet und das nutzen sie - ganzjährig. In Riefensberg gibt es einen Rundwanderweg, den man auch im Winter gehen kann. Hittisau und Balderschwang sind dank ihrer günstigen Lage im Voralpenland durch Wanderwege miteinander verbunden. Ein Teil davon ist Langlaufloipe und ein Teil Wanderweg. Es gibt Wasserwanderwege, Holzwanderwege und verschiedene Führungen (Naturführer, Nagelfluhkette). Außerdem nutzen die Gemeinden Kultur und Kulinarik als weitere Stärken.

Mit ihrem Angebot sprechen die vier Gemeinden Familien und ein gehobenes und Ruhe suchendes Klientel an, und das schon seit längerem mit Erfolg.

Auch die 115 Einwohner "große" Gemeinde Balme in der Toriner Gegend (Lanzo) hat sich für einen sanften Wintertourismus entschieden und sich bewusst gegen Heliski und Co abgewendet: sie hat beschlossen die Gemeinde der Schneeschuhe zu sein und nicht der Helikopter. Die Gemeinde des Sports mitten im Wald und nicht der großen Skianlagen. Die nachhaltige Gemeinde und nicht die der Masse. Sie hat sich gegen Motorschlitten, Quads, und Motorräder auf den Wegen im Sommer entschieden und für einen nachhaltigen naturerhaltenden Tourismus.

Der weltweite Klimawandel zwingt zum Umdenken. Wer wettbewerbsfähig bleiben möchte braucht langfristige Lösungen. Nachhaltige Angebote, die auch mit wenig oder ohne Schnee nutzbar und attraktiv sind.

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