Auf digitalen Wegen das Stadt-Land-Gefälle überwinden

Das Projekt Start-Alp bot in sechs Webinaren einen vielseitigen Wissensaustausch zu Chancen der Digitalisierung im Alpenraum. Zentrale Themen waren die Bereitstellung der technischen Infrastruktur für digitale Lösungen und wie diese die Lebensqualität alpiner Kommunen verbessern kann.

"Thanks to digitalisation, there are no more peripheral regions.” - Jon Erni, Mia Engiadina

Mit diesem Zitat eröffnete Jon Erni, Gründer von „miaEngiadina“, die Auftaktveranstaltung und brachte damit die Chancen für den ländlichen Raum auf den Punkt.

Mit dem Slogan “Your first Third Place – Teis prüm Terz lö” stellt „miaEngiadina“ den Begriff „Third Place“ („dritter Ort“) als zentralen Vorteil der Alpen als Platz der Inspiration und Erholung in den Mittelpunkt. Neben den Orten der Familie und des Arbeitslebens bietet der „dritte Ort“ die Möglichkeit des Ausgleichs und des sozialen Austausches.

Durch „miaEngiadina“ werden Coworking-Spaces, Apps zur Nutzung der Sport- und Freizeitangebote in der umliegenden Natur sowie digitale Bildungsangebote etabliert.

Aber auch der Ausbau des Glasfasernetzes als unerlässliche digitale Infrastruktur – und Grundvoraussetzung der Digitalisierung – ist ein zentrales Anliegen von „miaEngiadina“.

Nachhohlbedarf besteht beim Ausbau der digitalen Infrastruktur in vielen ländlichen Gebieten. Die geringe Bevölkerungsdichte und Zersiedelung machen Investitionen für private Anbieter wirtschaftlich unattraktiv. Immer öfter wird daher nach alternativen Finanzierungsmodellen durch die öffentliche Hand und regionale Kooperationen in Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern gesucht.

Der Dalmatiner-Effekt – das Marktversagen im Ausbau des Glasfasernetzes

Peter Schark, CEO der Breitband Initiative Kärnten (BIK), verglich diese Struktur von Ballungszentren mit hoher Netzwerkdichte und weißen Flächen ohne Glasfasernetz mit dem Fellmuster der Dalmatiner.

Bei der BIK setzt man daher auf die Koordination des Netzwerkausbaus durch die öffentliche Hand. Die Verlegung der Leitungen im Zuge von Arbeiten an Wasser- und Stromversorgung sowie bei der Renovierung von Straßen kann dabei die Kosten wesentlich reduzieren.

Neue Lebensstile – neue Bedürfnisse: Information und Partizipation

Das Webinar „Digitalisierung & Lebensqualität“ griff aus dem breiten Themenfeld, in dem Wohnen, Arbeiten und Freizeit wichtige Elemente bilden, die damit verbundenen Bedürfnisse nach Information, Mitgestaltung und langfristiger Perspektiven heraus.

Die Bürgerbeteiligung hat bereits in den vergangenen Jahrzehnten enorm an Bedeutung gewonnen. Partizipative Prozesse konnten weiterentwickelt und als Erfolgsmodelle auf regionaler und kommunaler Ebene etabliert werden. Dies beschrieb auch Stefan Lins vom Büro für freiwilliges Engagement und Beteiligung Vorarlberg. Gerade in Zeiten der pandemie-bedingten Kontaktbeschränkungen konnten digitale Lösungen Möglichkeiten der Partizipation aufrechterhalten. Mit „Vorarlberg.mitdenken.online“ und der „Projektschmiede Remote“ konnten digitale Formate neu etabliert werden. Diese sollen auch zukünftig als wertvolle Ergänzung zu Präsenz-Veranstaltungen dienen, können diese jedoch nicht vollständig ersetzen.

Mit „Bürgercockpit“ stellten Karl Atzmanstorfer (Universität Salzburg) und Magdalena Stockinger (Gemeinde Michaelnbach/AT) ein weiteres digitales Beteiligungstool und deren praktische Erfahrungen aus Oberösterreich vor. Die Mitgestaltung im Rahmen von „Bürgercockpit“ erfolgt durch die Verbindung digitaler Vernetzung und Diskussion engagierter Bürger*innen mit digitalen Geo-Tools.

Nachhaltige Kommunalplanung über die Legislaturperiode hinaus

Mit dem Local Development Compass, stellte Gabriele Greussing, ein Ergebnis des Projekts Klima.Fit von „Allianz in den Alpen“ vor. Der Compass bietet Orientierung in allen Handlungsfeldern auf kommunaler Ebene. Eine fachbereichsübergreifende Analyse der Ist-Situation ermölicht der Kommune eine Priorisierung von Maßnahmen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung.

Digitale Information – zeitnah und niederschwellig

Christine Suire, von der Gemeinde Raggal/AT, stellte das Informationssystem über die Gemeinde App Gem2Go in Verbindung mit Website und analogen Informationskanälen vor. Kurzfristige Informationen wie Straßensperren, Lawinen oder Unwetterwarnungen und Terminankündigungen können so zeitnah und niederschwellig der Bevölkerung übermittelt werden.

Für Informationen zu den Best-Practice-Beispielen der Webinare stehen die Präsentationen der Referent*innen zum Download zur Verfügung.