Workshop „Ortsentwicklung und Raumnutzung in Balderschwang“

Projekt BrokeringSpaces | 11.03.2026 | Balderschwang

Am 11. März 2026 fand in Balderschwang ein Workshop im Rahmen des EU-Projekts BrokeringSpaces statt. Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des bisherigen und neu gewählten Gemeinderats sowie Expertinnen und Experten aus Landratsamt, Raumplanung und Verwaltung zentrale Herausforderungen und Perspektiven der Raumnutzung in der Gemeinde zu diskutieren. Insgesamt nahmen rund 20 Personen teil. Der Workshop diente zugleich dazu, den Übergang zwischen den Gemeinderatsperioden zu begleiten und ein gemeinsames Verständnis für zukünftige Entwicklungsschwerpunkte zu schaffen.

Zu Beginn wurden das Projekt BrokeringSpaces sowie dessen Ziele vorgestellt. Das Projekt unterstützt Gemeinden im Alpenraum dabei, Nutzungskonflikte um begrenzte Flächen frühzeitig zu erkennen und konstruktiv zu bearbeiten. Gerade in alpinen Regionen konkurrieren unterschiedliche Nutzungsansprüche – etwa Wohnen, Landwirtschaft, Tourismus, Gewerbe und Naturschutz – um denselben Raum. Zusätzlich verschärfen Klimawandel und steigende Anforderungen an erneuerbare Energien sowie an Schutzräume für Ökosysteme diese Konflikte. Ziel des Projekts ist es, Gemeinden bei der Entwicklung nachhaltiger Strategien für eine ressourcenschonende Raumnutzung zu unterstützen („Boden verhandeln statt versiegeln“).

Ein fachlicher Impuls von LARS Consult beleuchtete die räumliche Situation Balderschwangs sowie planerische Handlungsmöglichkeiten für die Gemeinde. Balderschwang liegt im Balderschwanger Hochtal auf rund 1.044 m Höhe und weist eine stark lineare Siedlungsstruktur entlang der Kreisstraße auf. Ein klar abgegrenzter Ortskern ist nicht vorhanden; vielmehr bestehen mehrere kleinere Siedlungspunkte entlang des Straßenraums. Die topografischen Bedingungen, zahlreiche Schutzgebiete, geologische Risiken sowie konkurrierende Flächennutzungen stellen wesentliche Restriktionen für die Ortsentwicklung dar. Hinzu kommen Anforderungen aus Raumordnung und Baurecht, etwa das Anbindegebot sowie unterschiedliche Genehmigungsgrundlagen im Innen- und Außenbereich.

Gleichzeitig wurde betont, dass die hohe landschaftliche Qualität des Tals eine besondere Sensibilität für Baugestaltung und Bauqualität erfordert. Aufgrund der offenen Landschaft und der guten Einsehbarkeit vieler Gebäude wirken bauliche Veränderungen besonders stark auf das Ortsbild. Daher spielen Aspekte wie Gebäudekubatur, Materialien und die Wahrung der regionalen Baukultur eine wichtige Rolle für zukünftige Entwicklungen.

Ein weiterer Beitrag stellte die naturräumlichen Besonderheiten der Gemeinde vor. Balderschwang liegt vollständig im Naturpark Nagelfluhkette und weist eine außergewöhnlich hohe ökologische Wertigkeit auf. Zahlreiche Schutzkategorien – darunter Natura-2000-Gebiete, Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete sowie gesetzlich geschützte Biotope – prägen den Raum. Diese einzigartige Natur- und Kulturlandschaft, die durch traditionelle Alpwirtschaft entstanden ist, beherbergt eine Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung für eine nachhaltige und naturverträgliche Entwicklung.

Im anschließenden Workshopteil diskutierten die Teilnehmenden in zwei Gruppen zentrale Fragen der zukünftigen Raumnutzung. Eine Gruppe beschäftigte sich mit den Themen Ortsentwicklung und Wohnen, die andere mit Tourismus, Landwirtschaft und Gewerbe. Dabei wurden verschiedene Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze identifiziert.

Im Bereich Wohnen wurde deutlich, dass zusätzliche Wohnmöglichkeiten insbesondere für Einheimische und Beschäftigte benötigt werden. Gleichzeitig bestehen Konflikte zwischen Wohnbebauung, Gewerbenutzungen und Infrastruktur, etwa durch Lärmemissionen oder verkehrliche Erschließung. Aufgrund der begrenzten verfügbaren Flächen wurde als wichtiger Ansatz die Nutzung vorhandener Potenziale im Bestand genannt, beispielsweise durch Umnutzungen bestehender Gebäude oder die Aktivierung leerstehender Bauernhäuser. Auch Fragen der technischen Infrastruktur – etwa Wasserversorgung, Abwasser und Kläranlagenkapazitäten – spielen bei einer möglichen Siedlungsentwicklung eine wichtige Rolle.

In der Diskussion zu Tourismus, Landwirtschaft und Gewerbe wurden verschiedene Perspektiven angesprochen. Dazu gehören die Weiterentwicklung touristischer Angebote sowie mögliche neue Nutzungen für bestehende Infrastrukturen, etwa eine stärkere Sommernutzung von Liftanlagen. Gleichzeitig wurden Konflikte zwischen touristischer Nutzung und Naturschutz – beispielsweise in sensiblen Lebensräumen von Rauhfußhühnern – thematisiert. Eine gezielte Besucherlenkung wurde als möglicher Ansatz genannt, um Nutzung und Schutz besser miteinander zu vereinbaren. Auch die Entwicklung ergänzender Angebote, etwa Natur- und Informationsangebote oder Freizeitflächen, wurde diskutiert.

Ein weiteres Thema betraf die landwirtschaftliche Entwicklung. Hier wurde unter anderem der Wunsch nach stärkerer Einbindung der Gemeinde bei bestimmten baulichen Entwicklungen angesprochen. Zudem wurde betont, dass eine abgestimmte Entwicklung von Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus wichtig ist, um Nutzungskonflikte zu vermeiden. Insgesamt zeigte sich, dass Fragen der zukünftigen Entwicklung eng mit infrastrukturellen Kapazitäten – etwa Einwohnerzahlen, touristischer Nutzung sowie Wasser- und Abwassersystemen – verbunden sind.

Der Workshop machte deutlich, dass die zukünftige Raumentwicklung in Balderschwang ein sorgfältiges Abwägen zwischen verschiedenen Interessen erfordert. Gleichzeitig besteht ein großes gemeinsames Interesse daran, die hohe Lebens- und Landschaftsqualität der Gemeinde zu erhalten. Die Ergebnisse des Workshops fließen in die weitere Arbeit des Projekts BrokeringSpaces ein und bilden eine Grundlage für die Entwicklung einer sogenannten Baufibel, in der Ziele und Leitlinien für Ortsentwicklung und Bauqualität in Balderschwang festgehalten werden sollen.